Innen luftdicht – außen winddicht
Luftdichtheit und Winddichtheit erfüllen unterschiedliche Aufgaben, verfolgen aber dasselbe Ziel: Sie schützen unsere Gebäude vor Energieverlusten, Feuchtigkeitsschäden und unnötigen Wärmeverlusten.
Fehlt eine der beiden Ebenen oder wird sie fehlerhaft ausgeführt, können Zugluft, Tauwasser, Schimmel oder hohe Heizkosten die Folge sein. Erst das Zusammenspiel beider Schutzebenen sorgt für eine dauerhaft funktionierende Konstruktion
Luftdichtheit – innen
Die Luftdichtheit befindet sich auf der warmen Innenseite eines Gebäudes. Ihre Aufgabe besteht darin, warme und feuchte Raumluft daran zu hindern, unkontrolliert in Wände, Dächer oder Decken einzudringen.
Dabei geht es nicht nur um den Wasserdampf, der langsam durch Baustoffe wandert (Diffusion). Viel gefährlicher sind Luftströmungen durch kleine Öffnungen oder Undichtigkeiten. Diesen Vorgang nennt man Konvektion.
Schon wenige Millimeter große Undichtigkeiten können große Mengen warmer und feuchter Raumluft in eine Konstruktion transportieren. Dort kühlt die Luft ab, Feuchtigkeit fällt aus und es entstehen Schimmel, Holzschäden oder andere Bauschäden
Schutz vor Feuchtigkeit aus dem Gebäudeinneren
Schutz vor Wärmeverlusten durch Wind und Luftbewegungen
Winddichtheit – außen
Die Winddichtheit befindet sich auf der Außenseite der Dämmung. Sie verhindert, dass kalte Außenluft durch Fugen oder Undichtigkeiten in die Dämmung eindringt.
Auch hier entstehen Luftbewegungen, also Konvektion. Der Wind transportiert Wärme aus der Dämmung heraus und kann die Dämmleistung erheblich verschlechtern. Die Konstruktion kühlt aus und der Energieverbrauch steigt.
Besondere Aufmerksamkeit erfordern dabei die zahlreichen Anschlüsse und Durchdringungen eines Gebäudes. Gerade Fensteranschlüsse, Rollladenkästen, Rohr- und Kabeldurchführungen sowie Übergänge zwischen verschiedenen Bauteilen sind häufige Schwachstellen.
Schon kleine Undichtigkeiten können dazu führen, dass kalte Außenluft in die Konstruktion eindringt und dort Luftströmungen verursacht. Die Folge sind Zugerscheinungen, Wärmeverluste und in ungünstigen Fällen Feuchteschäden.
In 288 Stunden zumTotalschaden
Die Folgen der offenen Dampfbremse sind hier deutlich zu erkennen. Innerhalb weniger Tage wurden nicht nur die Holzfaserdämmplatten von Schimmel befallen, sondern auch große Teile der Dachkonstruktion.
Bei genauer Betrachtung sind auf den waagerecht verlaufenden Kanthölzern bereits deutlich sichtbare Pilzgeflechte zu erkennen. Die Feuchtigkeit hatte sich innerhalb der gesamten Konstruktion verteilt und ideale Bedingungen für das Pilzwachstum geschaffen.
Eine lokale Reparatur war nicht mehr möglich. Aufgrund des flächendeckenden Befalls mussten sowohl die Holzfaserdämmplatten als auch große Teile der tragenden Dachkonstruktion vollständig zurückgebaut und erneuert werden
in nur 288 Stunden vollflächig verschimmelt
Eine dauerhaft funktionierende Dampfbremse ist nur so gut wie ihre schwächste Stelle.
Die Ursache
Die fehlende Bodentreppe und die dadurch offen gebliebene Deckenöffnung waren die Ursache dieses Schadens.
Auf dem Bild ist gut zu erkennen, wie die Dampfbremse für den Zugang zum Dachraum aufgeschnitten wurde. Nach Abschluss der Arbeiten wurde die Folie lediglich zurückgelegt und mechanisch fixiert, jedoch nicht wieder luftdicht verschlossen.
Besonders auffällig: Die Bodenbretter erscheinen auf den ersten Blick grau. Tatsächlich handelt es sich jedoch nicht um einen Farbanstrich, sondern um einen etwa 1 cm hohen Pilzbewuchs, der sich innerhalb weniger Tage auf der Oberfläche gebildet hat.
Die gleiche Schadensentwicklung wäre auch bei einer eingebauten Bodentreppe möglich gewesen, wenn diese nicht dauerhaft luftdicht angeschlossen oder nach Arbeiten im Dachraum wieder ordnungsgemäß verschlossen worden wäre.
Totalschaden
Die Folgen der offenen Dampfbremse sind hier deutlich zu erkennen. Innerhalb weniger Tage wurden nicht nur die Holzfaserdämmplatten von Schimmel befallen, sondern auch große Teile der Dachkonstruktion.
Bei genauer Betrachtung sind auf den waagerecht verlaufenden Kanthölzern bereits deutlich sichtbare Pilzgeflechte zu erkennen. Die Feuchtigkeit hatte sich innerhalb der gesamten Konstruktion verteilt und ideale Bedingungen für das Pilzwachstum geschaffen.
Eine lokale Reparatur war nicht mehr möglich. Aufgrund des flächendeckenden Befalls mussten sowohl die Holzfaserdämmplatten als auch große Teile der tragenden Dachkonstruktion vollständig zurückgebaut und erneuert werden
Wenn man den Schimmel sieht, ist es oft bereits zu spät
Ein Blower-Door-Test ist keine Prüfung gegen den Handwerker – sondern eine Qualitätskontrolle für den Bauherrn und eine Bestätigung guter handwerklicher Arbeit.
Der Blower-Door-Test – warum er sinnvoll ist
Der Blower-Door-Test dient nicht nur als Nachweis der Luftdichtheit eines Gebäudes. Richtig eingesetzt ist er eine wertvolle Qualitätskontrolle während der Bauphase.
Durch den erzeugten Unter- oder Überdruck lassen sich Undichtigkeiten an der luftdichten Ebene zuverlässig aufspüren. Fehler an Anschlüssen, Durchdringungen oder Verklebungen werden sichtbar, solange sie noch ohne großen Aufwand beseitigt werden können.
Für den Bauherrn bedeutet das Sicherheit. Für den Handwerker ist der Test eine objektive Kontrolle der eigenen Arbeit. Werden Undichtigkeiten früh erkannt und behoben, lassen sich spätere Feuchteschäden, Zugerscheinungen und unnötige Energieverluste vermeiden.
Das Wichtigste auf einen Blick
Gebäude funktionieren in vielen Bereichen ähnlich wie unsere Kleidung im Winter.
Ein dicker Strickpullover hält zwar warm, doch sobald kalter Wind hindurchpfeift, geht ein großer Teil seiner Wirkung verloren. Deshalb tragen wir darüber eine winddichte Jacke, die den Wind abhält und die Wärme im Pullover hält.
Genauso funktioniert ein Dach oder eine Fassade. Die Dämmung übernimmt die Aufgabe des Pullovers. Die Winddichtung auf der Außenseite verhindert, dass kalte Luft durch die Dämmung strömt und die gespeicherte Wärme abtransportiert.
Damit es jedoch wirklich behaglich bleibt, braucht es zusätzlich eine luftdichte Ebene auf der Innenseite. Sie verhindert, dass warme und feuchte Raumluft unkontrolliert in die Konstruktion gelangt.
Würde man die Regenjacke direkt auf der Haut tragen und den Pullover darüber ziehen, käme man schnell ins Schwitzen. Genau deshalb gehört die Luftdichtheit auf die warme Innenseite und die Winddichtheit auf die kalte Außenseite der Konstruktion.